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“Ich arbeite schamanisch, weil ich praktisch denke – ich verwende das, was funktioniert."
Zuerst einmal erfordert es einige Erklärungen, was Schamanismus in der heutigen Zeit noch zu suchen hat. Sind wir nicht aufgeklärt und haben mittlerweile "wissenschaftliche" Ansätze um die Natur und uns Menschen zu verstehen?
Wir leben in einer Welt, in der viele überzeugt sind von all den Tatsachen, die uns Wissenschaft und Logik versuchen zu vermitteln. Unser Weltbild ist geprägt von der Überzeugung, dem Mysterium Welt immer mehr Geheimnisse zu entreißen und diese ganz natürlich erklären zu können. Dinge, die vor Jahrhunderten noch unerklärbar und magisch waren, sind heute scheinbar erklärbar. Und die Wissenschaft macht nicht mit der äußeren Natur halt. Auch der Mensch und seine Innenwelt werden durch die Psychologie wissenschaftlich kartografiert und mit mechanischen Modellen erklärt.
Also sollten wir doch in unseren aufgeklärten Zeiten mit der Natur, der Umwelt und uns selbst besser zurecht kommen als vor Jahrtausenden. Sind wir glücklicher als die Generationen vor uns, zufriedener? Schauen wir uns jedoch um und beobachten den täglichen Wahnsinn im Umgang mit der Natur, zwischen den Menschen und mit uns selbst, so scheint unsere Rechnung nicht aufzugehen.
Ein Problem des wissenschaftlichen Ansatzes ist, dass versucht alle Vorgänge des Lebens und der Natur in einem einfachen Ursache-Wirkungsprinzip zu verstehen. Auf eine Ursache folgt eine Wirkung und das muss immer so sein. Dies ist richtig, das ist falsch, das gut, das böse, das hell, das dunkel. Dies mag im Labor funktionieren, jedoch ist unsere Welt um vieles komplexer. Alles ist mit allem verwoben und beeinflusst sich gegenseitig. Schauen wir uns um, so erkennen wir immer mehr die Komplexität unserer Wirklichkeit. Und wagen wir, eine Einzelheit lange genug zu betrachten, so stellen wir fest, dass auch diese wiederum eine ganze Welt beinhaltet. Dies ist das Mysterium.
"Die Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit"
Schamanismus verfolgt hier einen anderen Ansatz. Er versucht nicht wissenschaftlich zu sein, sondern praktikabel. Er denkt in Zyklen, Netzen und Kreisen. Schamanismus steht nicht in Konkurrenz zur Wissenschaft oder gar der Logik, er steht daneben. Er akzeptiert das Mysterium und begibt sich hinein. Schamanen vieler Jahrtausende bis heute suchen Wege die Natur und den Menschen in seiner Ganzheit zu begreifen, und viel wichtiger, damit zu arbeiten. Er begreift die Wirklichkeit, die wir erleben, als individuell durch uns selbst geschaffen. Diese geschaffene Realität ist daher auch änderbar und gibt so den Weg frei für einen neuen Umgang mit unserer Welt und uns selbst. Er sieht keine Trennung zwischen Individuum und seiner Umwelt, beide sind verwoben.
Für den Schamanen ist die Welt subjektiv, nicht objektiv. Das System des Schamanen ist subjektiv und damit auch austauschbar. Je nach Aufgabe und Situation kann er sein System wandeln und damit das suchen, was gerade funktioniert. Es steht ständig um Kommunikation, mit sich, den anderen und seiner Umwelt.
Schamanismus ist
- praktisch, nicht theoretisch
- direkt, nicht umschweifend
- individuell, nicht allgemein gültig
- ganzheitlich, nicht herausgelöst
- Eigenverantwortlichkeit, statt Patient
Schamanismus ist kein Glaubenssystem, keine Religion, keine Realitätsflucht, sondern eine Sammlung von Methoden mit deren Hilfe man sich im Mysterium, das wir Leben nennen, bewegen kann. Die Methoden sind archaisch und wirken auf den tiefsten Ebenen unserer Existenz. Sie arbeiten mit Symbolen, Ritualen und Kreisen, die ihre Wirkung in unseren tiefsten seelischen Schichten entfalten um dort Änderungen und Wachstum zu ermöglichen. Nicht, weil etwas falsch gelaufen ist, sondern weil es jetzt weiter entwickelt, verändert und durch Neues abgelöst werden kann. |